Aufklärung zum Thema Drogen

Familienprobleme

– Ein anonymer Erfahrungsbericht –

Eine Drogenabhängigkeit betrifft meist auch die eigene Familie. Hier berichtet eine methadonabhängige Frau über ihr Verhältnis zu ihrem dreijährigen Sohn.

Es gibt nicht nur den Süchtigen, sondern auch die, die der Süchtige mit runter zieht. Ich bin Mutter eines vierjährigen Jungen. Er ist der wundervollste kleine Mensch den ich jemals kennengelernt habe. Ich hab lange darüber nachgedacht, ob ich das überhaupt schreiben soll. Es wird vielleicht auffallen, wenn ich über Benjamin schreibe, dass das kaum zu einem drei-vierjährigen passen kann. Aber es sieht leider so aus, dass Kinder von drogensüchtigen Eltern, sehr schnell lernen müssen „erwachsen“ zu sein. Besser gesagt, oft auf sich gestellt sind. Mein Sohn hat stellenweise sogar Verantwortung übernommen.

Kurz nachdem mein Sohn geboren war, bin ich ins Methadonprogramm gegangen. Ich dachte, dass ich mit diesem „Medikament“ das Leben als Mutter besser bewältigen könnte. Das haute auch alles noch hin. Allerdings nur solange, bis Benjamin drei Jahre alt war. Er konnte schon sehr gut sprechen und konnte seine Umwelt voll wahrnehmen. Benjamin hat ganz und gar kapiert, dass Mama Morgens ein kleines Fläschchen aufmacht und den Inhalt trinkt. Vor allem aber, dass ich vor dem trinken oder schlecht gelaunt war und danach mich ganz anders verhalten habe. Auch hat Benjamin gesehen wie sein Papa sich die Nadel in den Arm pickst. Immer wieder hat er zu Ihm gesagt: “ Papa, Du tust Dir doch weh.“ Wenn Papa dann selig mit geschlossenen Augen auf der Couch gelegen hat, hat Benjamin mich gefragt, was denn mit Ihm los ist. Ist Papa müde, ist Papa krank ?Warum war da Blut in der Spritze. Ich habe immer irgendwelche Ausreden erfunden.

Markus habe ich gesagt, er müsse damit aufhören oder zumindest aufs Klo gehen. Mit meinem Methadon, habe ich Benjamin erklärt, ich müsste diesen Saft für meine Gesundheit trinken. Damit war der Junge vorerst zufrieden. Mein Tablettenkonsum ist aber dann so rapide gestiegen, dass ich tags über z.B. beim Essen eingeschlafen bin oder beim Zigaretten rauchen, beim kochen usw. Damit konnte mein Sohn überhaupt nicht umgehen. Er hat mich geschüttelt und mich angeschrieen. „Mama, steh endlich auf. Hör auf zu schlafen. Ich will mit Dir spielen“. Der kleine hat einen richtigen Hass entwickelt. Mein Sohn, hatte angefangen mich zu hassen!!! Oft hat er gesagt, dass das von dem Methadon kommt. Ich habe Ihn nämlich mit zur Ausgabe genommen. Dort war er immer sehr aufmerksam und hat die Auseinandersetzungen mit Arzt und Patient genau mitbekommen. Oft hat er mich angefleht ich solle das Zeug bitte nicht mehr nehmen. Aber ich war viel zu egoistisch. Ich bin durch die vielen Tabletten zu Hause auch schon mal umgefallen und habe Krämpfe bekommen. Benjamin hat diese Dilemma mit angesehen. Damals hat er seinen Papa gefragt ob ich jetzt sterbe. Markus hat ihm gesagt, dass das nicht passieren wird. Benjamin wollte aber das ich sterbe. Er wollte einfach nicht mehr so leben. Benjamin hat genau gemerkt, dass ich nicht in der Lage wahr, ein normales Leben mit Ihm zu führen.

Es wahr grausam, denn ich wusste genau, was ich dem kleinen für seelische Schmerzen zugefügt habe. Er hat mich abgöttisch geliebt. Und gehasst. Denn ich konnte Ihm nicht diese Sicherheit geben, die er sich so sehr gewünscht hat. Liebe war ich auch nicht mehr fähig zu geben. Ich habe mich viel zu sehr selbst gehasst. Benjamin hat nur noch Bilder mit schwarzer Farbe gemalt. Es war nichts mehr bunt in seinem Leben. Seine ganzen Spielsachen hat er zerstört ! Er hat geschrieen nach Hilfe. Musste zusehen, wie seine kleine Familie kaputt gegangen ist. Hat oft vom sterben geredet.

Der einzige Mensch, der mir hätte helfen können, war meine Mama. Die aber war mit Ihrer eigenen Sucht beschäftigt. Also wollte ich zum Schluss sterben. Und wäre bereit gewesen, meinen Sohen mit zu nehmen. Ich konnte sein Flehen nach einer gesunden Mama kaum noch ertragen. Konnte aus diesem Loch nicht mehr raus. Ich wollte aufhören, wusste aber ich muss dafür eine lange Zeit weg. Letztendlich passierte das unfassbare. Meine Mutter wurde mit einem durchschossenen Schädel zu Hause in der Badewanne gefunden. Selbstmord ! Hat sich einfach allem entzogen. Wollte nichts mehr von Verantwortung wissen. Sie hat sich eine Pistole beschafft und sich in den Mund geschossen. Dieses Ereignis hat mich total aus der Bahn geworfen. Ich verstand nicht wieso Sie mich alleine gelassen hatte. Gerade wo Sie wusste, dass es mir total beschissen ging. Sie hatte sich erlöst. Ist den einfachen Weg gegangen. Ich wollte aber nicht diesen Weg gehen.

Habe gespürt, wie Benjamin sich fühlen würde, wenn ich sterbe. Wegen Drogen? Das wollte ich Ihm nicht antun. Ich werde und kann es niemals akzeptieren, dass Sie tot ist. Ich hasse Sie dafür und kann es Ihr nicht einmal sagen!!! Meinem Sohn , musste ich dann mitteilen, dass wenn ich gesund werden möchte, eine Therapie machen muss. Benjamin hat gekämpft, denn er wollte, dass ich gesund werde. Ich habe Ihn zu meiner Freundin. Sie kennt Ihn schon, da war er 6 Stunden alt. Außerdem hat Sie einen Sohn der 4 Monate älter ist. Dort ist es Benjamin total gut gegangen. Und ich konnte zu mir finden und gesund werden. Jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, merke ich was für Scherben zurück geblieben sind ! Benjamin kontrolliert mich sehr oft. Er weiß, dass ich tatsächlich gesund bin. Aber ich muss Ihm das jeden Tag beweisen. Vertrauen baut er nur schleppend auf. Leider! Dadurch wird mir allerdings bewusst, was ich Ihm angetan habe. Ich habe Benjamin niemals geprügelt oder Ihm nichts zu Essen gegeben. Oder was es da noch für Horrorgeschichten gibt. Aber das was ich mir angetan habe, darunter hat mein Sohn auch gelitten. Ich hätte im beinah sein kleines Herz gebrochen. Denn Kinder lieben Ihre Eltern bedingungslos! Egal was wir tun, in so einem jungen Alter, wollen Sie zu uns herauf schauen. Wir sollen Vorbild sein. Oder? Nur ist es für Kinder schwer verständlich, wie Drogen stärker sein können als Liebe! Ich muss meine Sucht als Krankheit verstehen. Und Sie kann geheilt werden. Ich kann meine Mutter ein Stück verstehen. Denn Sie hat kein Leben mehr gelebt. Sie ist dahin gestorben. Stück für Stück. Wusste genau, dass Sie da nie wieder Rauskommt. Am Ende bleibt der Tod. Als letzter Ausweg. Wenn man sich nicht helfen lässt, hilft eben der Tod. Und oft hat sie mich Schuldig gemacht für Ihr Dilemma.

Ich liebe meine Mutter trotz allem, obwohl ich mir das oft nicht eingestehen kann. Und deshalb gehe ich nicht Ihren Weg, sondern meinen Weg. Für mein Kind !!!

So, ich kann nicht mehr.

Ich wünsche meinem Sohn, dass ich gesund bleibe und das geben kann nachdem er drei Jahre geschrieen hat. Denn er kann nichts für meine Sucht. Warum soll er leiden???

 

Image: © Monkey Business / Dollar Photo Club

4 Kommentare

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  1. irgendjemand says:

    Hallo,
    auch ich bin süchtig. Menschen wie wir sollten keine Kinder haben. Ich bin Nachkommen süchtiger türkischer Emigranten.
    Mein Vater war geisitg nicht normal, meine Mutter noch weniger.
    Wir Kinder konnten jedes Wochenende ansehen, wie Vater Mutter im Vollsuff verprügelte und uns dazu holte. Diese Erinnerungen kann ich nich loswerden. Das mit dem „Früh Erwachsen werden“ kenne ich nur zu gut.

    Mit zwölf Jahren wusste ich jedes kleinste Detail, das mein Vater meiner Mutter antat. Sie war auf eine passiv-aggresive Weise gemein. Sie ließ ihren Ärger dann an uns aus. Prügel für nichts und wieder nichts kenne ich zu Gute. Aus der Retrospektive betrachtet habe ich das meiste abbekommen.
    Nicht nur das mann mich abtreiben wollte, was durch einen diletantischen Arzt verhindert wurde, sondern auch liebevolle Prügel meines Vaters als Säugling habe ich überlebt. Wie man sich vorstellen kann, hatte das alles wirklich sehr fördernde Wirkung auf meine geistige Gesundheit. Oft frage ich mich heute, wozu ich den lebe. An menschlicher Gesellschaft schätze ich besonders die Angst, die diese bei mir bewirkt. Äüßerlich habe ich mich gut entwickelt, aber innerlich bin ich nur ein Wrack.

    Mit sieben Jahren habe ich meine erste Zigarette geraucht( von wegen Hasch als Einstieg). Dann ging es fröhlich weiter mit Alkohol. Irgendwann kam Hasch, Speed, Koks und ganz zuletzt Opiate. Ein Mensch wie ich kennt nicht jenes entspannte Zusammensein mit anderen Menschen. Jene Geborgenheit, die viele bei Freunden oder Freund/in schätzen. Ich bin immer in einen sehr wachen und aufmerksamen
    Zustand in Gesellschaft. Das Denken fällt mir schwer vor der ganzen Anspannung. Das einzige, was mir hilft, ist die Droge.

    Den Umgang mit Opiaten konnte ich mittlerweile ziemlich einschränken, indem ich der Verfügbarkeit in das Ausland entflohen bin. Dort arbeitete ich ein Jahr lang und begann mit dem Laufen. Das Hasch hat mich immer begleitet.
    Mittlerweile ist es mir möglich (ich bin nun 35 Jahre alt), zu überleben. Immer wenn ich meine Heimatstadt besuche (bin wieder in DE), nehmne ich Heroin, aber dann wieder für mind. 4 Wochen nicht. Der Sport ist zur einer Ersatzdroge geworden. Ich hatte eine Freundin (die erste mit ca 30 Jahren und wohl auch die Letzte). Wie man sich unschwer vorstellen mag, hat sie mich irgendwann verlassen. Ich liebe sie noch immer. Sie konnte es nicht mehr mit ansehen und auch nicht mit der Distanz leben, die ich um mich aufrechthalte. Sie hat es mir auf ihre Weise heimgezahlt. Ich habe es verdient und bin ihr nicht wirklich böse.

    Was ich sagen möchte ist, daß Menschen ohne Zukunft, also solche wie ich,nicht, niemals Kinder auf die Welt setzen sollten. Zum einen hat kein Kind verdient, das zu ertragen, was ich aufgrund meiner Eltern erlebt habe und zum anderen würde es mich umbringen, wenn ich die die Verzweiflung, den Selbsthass und die Wut auf mich spüren müsste, die mein Kind wegen mir durchleben müsste. Nein, stattdessen, bleibe ich allein und einsam. Vielleicht bin ich nicht typisch, denn ich habe es geschafft, die autoaggresiven Antriebe in mir in einigermaßen in Bahnen zu lenken, die mein Leben einigermaßen erträglich machen. Der Sport und das Hasch ermöglichen mir ein Überleben. Mehr ist es nicht. Könnte es nicht als Leben bezeichnen. Der Mensch ist kein Einzelgänger. Aber ich bin es.

    Früher wollte ich immer sterben. Wusste nur nicht, wie ich es ohne große Schmerzen ausführen könnte. Jetzt wüßte ich wie. Genug MEthadon und Alkohol. Aber ich denke nicht mehr so oft daran. Ich laufe bis zur Erschöpfung und gebe mich dem kleinen Bruder des Todes hin. Mein Vater ist längst hinüber und meine Mutter macht es wohl auch nicht mehr lange. Verzeihen kann ich ihm nicht, aber auch meiner Mutter nicht. Die Errinerungen sind stärker als das Mitleid, dass ich bei ihrem Anblick empfinde.

    Hoffentlich hat dein Kind mehr Glück und findet eine helfende Hand, denn deine wird es nicht sein. Du hast Schuld auf dich geladen, die jeden Tag größer wird, an dem du dein Leben so f+hrst wie von dir beschrieben. Die einzige Möglichkeit ist dein Leben zu ändern, aber wir wissen beide, dass das ein sehr sehr sehr sehr frommer Wunsch ist.

    Also ich wünsche dir viel Glück und deinem Sohn noch viel mehr, denn er wird wohl im Leben nicht viel Chancen haben und umso mehr Menschen benötigen, die ihm noch eine zweite oder dritte Chance geben. Du hast Schuld auf dich geladen.
    Du bist wie meine Mutter, hoffentlich nicht wie mein Vater.

    Viele Grüße,
    Irgendein Mensch von den vielen Milliarden.

  2. Mann & vater im Not says:

    Hilfe, mein frau is drogensuchtig, ist vom LWL program raus gesmisen, wo kann ich sie hin bring.

    Ich bin am ende.

    Danke.

  3. Peter Handwixer says:

    Ich bin selber süchtig und habe 2 Kinder.
    Wenn man eine Sucht hat muss man sich diese auch leisten können.
    An erster Stelle ist meine Familie und dann kommt bei mir meine Sucht.
    Wenn es kein geld gibt dann nehmt Pola und geht von euren Kröten erst einkaufen.

  4. Bona says:

    Petra hadwixer ich frage mich warum du überhaupt auf diese Seite geraten bist irgendwie bedrückt dich was tu jetzt nicht so als wert du die Mutter Maria es mag sein das du recht hast mit die Kinder aber helf Menschen ein weg zu zu finden wen du Mutter Petra Maria bist.

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