Kriterien zur Drogensucht

Kategorie Sucht - 09/2000

Woran erkenne ich, ob ich suchtgefährdet bin? Dieser Text listet einige Kriterien auf, auch wenn es natürlich außerordentlich schwierig ist, eine für alle Menschen gültige Liste zu erstellen.

1 Vorwort

Vorab muss ich einige Bemerkungen zur Entwicklung dieses Textes machen:
Die Liste der Kriterien ist auf eine interessante Weise entstanden… zusammen mit Freunden saß ich zusammen und regte an, eine Sucht-Kriterienliste zu erstellen. Am liebsten wäre es mir, wenn es der Gruppe gelänge, eine Liste zu erstellen, wo der Leser seine Häkchen macht und anschließend ausgerechnet bekäme, zu wie viel Prozent er suchtgefährdet sei.
Nun, dieses Ziel haben wir noch nicht erreicht. Aber das ist wohl auch keine Schande. Aber das bisherige Zwischenergebnis kann sich sehen lassen, wie ich finde.

2 Unterschied zwischen Abhängigkeit und Sucht

Diese Unterscheidung vorzunehmen ist außerordentlich wichtig und wird in großen Teilen der Literatur ebenso vorgenommen.
Eine Drogenabhängigkeit ist dann gegeben, wenn man in seinem Leben auf ein gewisses “Etwas” angewiesen ist, um sein körperliches oder seelisches Gleichgewicht halten zu können.
Eine Sucht geht noch weiter. Sie ist dann gegeben, wenn man nicht nur von etwas abhängig ist, sondern sich darüber hinaus auch gezwungen sieht, die Dosis dieses “Etwas” zu steigern.
Es ist trivial zu sehen, dass wir in unserem Leben von einer großen Menge von Dingen abhängig sind. Diese Feststellung dient nicht zur Trivialisierung von Drogen, sondern der Erweiterung des eigenen geistigen Horizonts. Schließlich spricht man nicht grundlos von “Fresssucht”, “Spielsucht” oder “Arbeitssucht”. Der Umstand also, dass wir von gewissen Dingen abhängig sind, ist weder ungewöhnlich, noch beängstigend, oder?
Konkret: Wenn ich in einer innigen Beziehung zu einem Mann lebe, dann bezeichne ich mich selbst in einer gewisser Weise abhängig davon. Meine Hormone und meine Lebensgeschichte sind auf ihn abgestimmt. Das ist nicht grundsätzlich ein Problem. Mit dieser Abhängigkeit kann ich gut leben.
Erst wenn die Abhängigkeit nicht stabil ist, kommt die Sucht ins Spiel. Wenn wir aus irgendwelchen Gründen nicht mit dem Status quo zufrieden sind und glauben immer mehr haben zu müssen, dann wird der Fall wirklich kompliziert (und oft ungesund).
Konkret: Wenn ich in meiner Beziehung keinen Frieden finde, sondern die “Dosis” immer weiter steigern will, so muss man von einer Sucht sprechen. Indem ich Kinder will, ein Haus bauen will und außerdem immer eifersüchtiger werde, will ich die Nähe zu dem Mann immer weiter steigern.

3 Kriterien für Drogenabhängigkeit

Kriterien im äußeren Verhalten
Man setzt sich zunächst sinnvolle Grenzen und kann sie dann nicht einhalten…
Egal ob im Büro, bei sozialen Kontakten, bei Suchtstoffen oder beim Essen: überall müssen wir uns Grenzen setzen. Die chinesische Philosophie sagt zurecht: “In dem, was dem Menschen gefällt, ist er unersättlich”. Wir müssen uns also Grenzen setzen. Stellen wir fest, dass wir prinzipiell ein Problem damit haben und Grenzen zu setzen und sie einzuhalten, dann können uns Drogen gefährlich werden. Haben wir uns oft vorgenommen das Rauchen einzudämmen – und es ist uns nicht gelungen? Wollen wir unseren Fernsehkonsum eindämmen – und wir sitzen bis in die tiefe Nacht vor der Flimmerkiste?
Vorsicht: Die Drogen kriegen Dich in den Griff und Du kannst dem keine Grenzen entgegensetzen…
Weltflucht als Selbstzweck…
Neigst Du dazu, der Welt zu entfliehen, indem wir uns mit schönen Dingen ablenken? Nutzt Du zum Beispiel den Sport, um täglich für einige Stunden den Frust des Alltags zu vergessen? Ist der abendliche Joint für Dein seelisches Gleichgewicht unerlässlich? Dann kann die Droge für Dich zur Problemverdrängung werden.
Vorsicht: Du willst der Welt entfliehen. Das macht Dich schwach und Du hast bald keine EIGENEN Abwehrkräfte mehr.
Die Welt wird ohne Drogen reizlos
Alles, was Spaß machte, wird langweilig. Die Welt erscheint ohne Drogen reizlos. Die Sexualität ohne Drogen ist auch nicht mehr das, was sie mal war.
Vorsicht: Du verbiegst Deine Wahrnehmung und machst Deine Welt farblos.
Ersatz für soziale, warme Kontakte
Statt Deine Freundschaften zu pflegen weichst Du lieber auf einen Joint aus. Dann ist die Welt wieder warm und schön. Warum soviel Zeit in Menschen investieren? Es geht doch auch alleine…
Vorsicht: Du bugsierst Dich langsam ins soziale Abseits. So schnell kommt man da nicht raus. Freunde muss man pflegen.
Mischen von verschiedensten Drogen
Den ganzen Tag Kaffe und Nikotin, abends einen Joint und am Wochenende Ecstasy? Hier stimmt was nicht. Kannst Du Dein Leben gar nicht mehr ohne “Booster” leben? Bist Du so schwach, dass Dein Gehirn ständig geschubst werden muss? Traust Du Dir selbst denn gar nichts mehr zu?
Vorsicht: Du verlierst Dein Selbstwertgefühl und das Erkennen der eigenen Grenzen.
Vorsicht: Wer schon viel Kaffee trinkt und stark raucht, soll nicht auch noch z.B. mit Cannabis anfangen.
Soziales Umfeld ist drogenorientiert
Deine Freunde nehmen alle Drogen? Kaum vorstellbar, wie es wäre, wenn Du als einziger keine Drogen nehmen würdest? Sehr viele Entzugsversuche scheitern daran, dass der gerade Geheilte zurück in sein altes soziales Milieu kommt.
Vorsicht: Mache Dich nicht zum Spielball Deiner Mitmenschen. Sie sind es nicht wert….
Ständiges Rationalisieren des Konsums (immer gibt es Gründe….)
Merkst Du, wie Du Deinen Drogenkonsum ständig rechtfertigst? Denkst Du jedes mal Dinge, wie “das habe ich mir nach diesem anstrengenden Tag aber verdient…”? Oder “wenn ich mich heute Abend so richtig entspanne, dann bin ich morgen wieder topfit”?
Vorsicht: Du merkst gerade selber, dass Du etwas tust, was Du nicht tun solltest.
Droge als Motivator
Nutzt Du die Zigarette in der Pause als Motivator? Lässt Dich der Gedanke an den abendlichen Joint den Tag ertragen? Dann bist Du in Gefahr, denn das Belohnungssystem in unserem Kopf lässt sich so schnell nicht ändern. Und wenn Du erst einmal auf Belohnung getrimmt bist, dann kommst Du so schnell nicht mehr davon los. Mit dem Belohnungssystem soll man nicht spielen.
Vorsicht: Bald ist die Droge Deine einzige Belohnung… und dann gute Nacht.
Der Rat von Freunden wird überhört
Wenn Dir die Meinung Deiner Freunde immer etwas bedeutete, aber Du in der letzten Zeit meinst, dass sie Dir in Hinsicht auf Drogen keine guten Ratschläge geben, dann stimmt vielleicht etwas nicht in Deinem Verhalten. Arbeitest Du mit einem divinatorischen System (Tarot, I-Ging,…)? Und Du fühlst Dich bei Fragen bezüglich Drogen schlecht beraten?
Vorsicht: Vielleicht bist Du vom Weg abgekommen…

Kriterien im inneren Wesen
Bist Du kein zwanghafter Mensch?
Ein zwanghafter Mensch setzt sich selbst viele Grenzen, will genau und pünktlich sein, will sein Verhalten (und möglichst seine Umwelt beherrschen). Bist Du zwanghaft? Oder eher das Gegenteil?
Wir nehmen an, dass zwanghafte Menschen wenig zur Abhängigkeit/Sucht neigen. Das würde dem Kontroll-Aspekt zu sehr widersprechen? Sollt er sich “gehen lassen”, dann neigte er maximal zur Nikotin- und/oder Alkoholsucht.
Wenn Du Dich als das Gegenteil eines zwanghaften Menschen ansiehst (sozusagen ein ‘Luftikus’ bist), dann ist bei Dir die Gefahr einer Drogenabhängigkeit eher gegeben.
Ziellosigkeit, ethisches Desorientierung, Lebenslangeweile, Mangel an Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, keinen echten Lebensplan, Sinnleere
Dies alles sind sehr wichtige Kriterien für eine sich anbahnende Drogenabhängigkeit. Wenn eines oder gar mehrere Dinge bei Dir gegeben sind, dann ändere schleunigst etwas in Deinem Leben! Du hast kein ausreichendes geistiges ‘Immunsystem’ gegen viele Irrtümer in dieser Welt. Manche Menschen verprügeln Ausländer aus obigen Gründen (um sich selbst etwas Wert zu suggerieren). Andere flüchten in eine Drogenwelt, weil die wirkliche Welt ihnen scheinbar nichts bieten kann.
Es gibt so viel zu tun – beginne Dein Leben.
Verhärmte, kalte Menschen suchen nach Wärme
Wenn Dein Leben kalt ist – ohne Freunde und Beziehung -, dann darfst Du nicht in die Drogenwelt flüchten. Das Problem der Drogen ist, dass sie Dir nicht helfen, sondern nur die Probleme überdecken. Dabei nehmen die Probleme oft zu. Was tun? Noch mehr Drogen nehmen? Freunde verliert man sehr schnell und gewinnt man sehr langsam…
Hast Du echte Fähigkeiten, auf die Du stolz sein kannst? Hast Du ein gesundes Selbstwertgefühl?
Frage Dich selbst: Hast Du eine Eigenschaft, auf die Du stolz sein kannst? Etwas, was nicht jeder kann? Körperliche oder geistige Dinge?
Wenn nicht, dann bist Du in Gefahr. Ein gesundes Selbstbewusstsein und die Kenntnis der eigenen Fähigkeiten sind ein sehr guten Schutzpanzer gegen die Irrungen dieser Welt. Mit diesem eigenen Panzer kann Dir nichts und niemand auf der Welt etwas anhaben. Ohne ihn bist Du schutzlos ausgeliefert. Verwechsle diesen Panzer der eigenen Fähigkeiten nicht mit einem aufgesetzten Selbstbewusstsein, welches von Dir vorgespielt wird. Dieses Selbstbewusstsein ist mehr wie eine schusssichere Weste – und damit beliebig zu umgehen. Jeder Drogendealer kennt die Lücken dieser Westen…

Ein extrem wichtiger Punkt, der es wert ist, vertieft zu werden. Es gibt nämlich (mindestens) 3 Stufen des Selbstbewusstseins, die man postulieren kann. Die Wertigkeit der Reihenfolge wird vermutlich jeder Leser anders einschätzen.

1. Stufe: Klar nach außen sichtbare Zeichen. Das klingt zwar oberflächlich, ist aber menschlich: Gibt es klar nach außen sichtbare Zeichen, an denen Du Dein Selbstbewusstsein festmachen kannst? Hast Du ein Haus gebaut? Bist Du sehr sportlich? Hast Du eine eigene Firma/Abteilung aufgebaut?

2. Stufe: Versteckte Indikatoren. Hast Du beispielsweise eine eigene Homepage mit einer inhaltlichen Tiefe vergleichbar mit der Drogen-Aufklärung? Oder kannst Du ein gutes Zeugnis bzw. Diplom vorweisen? Bist Du auf bestimmten Sachgebieten außerordentlich kompetent?

3. Stufe: Hast Du versteckte Eigenschaften, auf die man stolz sein kann? Bist Du sehr intelligent? Oder sozial anerkannt? Bist Du sprachlich gebildet oder künstlerisch sehr begabt? Bist Du magisch weit fortgeschritten? Oder hast Du in Deiner Persönlichkeitsentwicklung bereits große Schritte gemacht?

Wenn Du in keiner der drei Stufen nennenswerte Erfolge vorweisen kannst, dann ist Vorsicht geboten. Statt mit Drogen solltest Du Dich lieber mit Dir selbst beschäftigen. Finde Deine Talente und fördere sie. Entwickle ein fundiertes Selbstbewusstsein!
Führst Du einen eher “hedonistischen” Lebensstil?
Liebst Du die Sinnengenüsse? Ist für Dich die tägliche Schokolade / der tägliche Wein / der tägliche Joint wichtig? Lebst Du mit Augen und Ohren und Haut und Nase und Mund? Fühlst Du Dich ohne Deine Sinne leer? Dann bist Du etwas mehr in Gefahr als der asketische Typ von Mensch. Denn Drogen steigern die Sinnenfreude und dafür bist Du empfänglich.
Lebst Du quasi “zwei Leben”?
Gibt es in Deinem Leben quasi zwei voneinander unabhängige Teile? In der Woche bist Du der normale Typ von nebenan und am Wochenende bist Du der Draufgänger/Partyfreak/Fußballfan? Wenn diese beiden Partitionen nichts miteinander zu tun haben, dann besteht die Gefahr, dass Du zwei parallele Leben führst, die sich gegenseitig nicht kontrollieren können. Abgesehen davon, dass dieses nicht-makellose Verhalten für eine weitentwickelte Persönlichkeit nicht angemessen ist, solltest Du Dich fragen, warum Du Dich splittest.

4 Kriterien für Drogensucht

Wie im Kapitel 2 ausgeführt wurde, gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Drogenabhängigkeit und Drogensucht. Zu den obigen Abhängigkeits-Kriterien kommen nun noch die Sucht-Kriterien hinzu:
Die Suche nach dem ersten Kick
In dem obigen Link ist ausführlich beschrieben, wie groß die Gefahr sein kann, wenn man den ersten (sehr eindrucksvollen) Drogen-Erlebnissen nacheifern will. Wenn man um jeden Preis das wieder erreichen möchte, was man bei den ersten Malen erlebte, dann begibt man sich auf einen gefährlichen Pfad.
Verfall an die Dosissteigerung
Ist es für Dich normal, dass Du die Dosis Deiner Droge steigern musst? Du hältst das für eine normale Entwicklung? Nicht der Rede Wert? Warte es ab… die kalte Dusche kann noch kommen. Der Körper erträgt so einiges, aber eines Tages kommt die Rechnung…

5 Beurteilung von Abhängigkeiten

Wir haben jetzt viel über Abhängigkeiten und Süchte nachgedacht. Nun soll noch eine allgemeine Betrachtung folgen. Es geht darum, ob es denn generell verwerflich ist, von Dingen oder Stoffen abhängig zu sein.
Muss ich meine partnerschaftliche Beziehung beenden, damit ich mit guten Gewissen sagen kann, dass ich einen wichtigen Schritt in Richtung Unabhängigkeit geschafft habe? Wohl kaum.
Mit Abhängigkeiten kann man leben. Mitunter sogar gut leben. Wir sollten nur darauf achten, dass unsere Abhängigkeiten nicht unser Leben beherrschen und unsere körperliche und geistige Substanz zerstören.

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Kategorie Sucht - 3 Kommentare.

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  1. 1. irina schrieb:

    Besser kann man das Problem der Drogensucht,das Empfinden,die innere Frustration und alle Sorgen die es mit sich trägt, nicht beschreiben!!!

    Respekt an den Schreiber,bzw. Autor!!!!!!!!

    Ich danke dir…jetzt weiss ich, ich bin nicht allein!

  2. 2. valerie schrieb:

    Ist es nach auffassung des Autors gestattet Drogen zu nehmen solange ich über ein gutes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl verfüge und nicht jedes Wochenende Drogen nehme sondern nur jedes 3.?

  3. 3. Nadine schrieb:

    Hallo.Ich habe einen Freund der auch gene mal was zeiht und letztens sogar mal wieder, seit 2 Jahren eine Pille eingeworfen hat.Ich hatte mir ihm ausgemacht das er es nur einmal im Monat machen darf.Dazu kommt noch die Kiofferei die zur Zeit fast Jeden Tag passiert.Er ist aber der Meinung er macht das nur um die Zeit totzuschlagen, der er im Moment durch das schlechte Wetter nicht viel arbeitet.Wir hatten uns auch für 2 Wochen getrennt da wir nur noch unstimmigkeiten hatten.Wenn er dann nichts genommen hat ist er auch öfters mal agressiev, was er auch selbst merkt.Ist er nun abhängig oder Süchtig oder über eins von beiden?

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