Cannabiskonsum bereinigt Vorurteile

Kategorie Cannabis - 05/2001

– Ein anonymer Erfahrungsbericht -

Ich selbst hatte erziehungs- und schulbildungsbedingt lange Zeit Vorurteile in Bezug auf Drogen wie z.B. Cannabis. In meiner damaligen Umgebung kam der Gebrauch von illegalen Drogen auch absolut nicht vor, die einzigen Drogenerfahrungen meiner Schulzeit sammelte ich mit Alkohol und Nikotin.
Die Kiffer sind ganz anders, als ich dachte…

Zu Beginn meines Studiums kam ich mir unter meinen neuen Kollegen vor wie “Lieschen Müller”, da ich wohl so ziemlich der Einzige war, der noch nie gekifft hatte. Wie gesagt, in meinem vorherigen Bekanntenkreis war eigentlich nur gelegentlicher (und dann aber recht heftiger) Alkoholabusus üblich. Vielleicht war daran auch die eher ländliche Umgebung schuld, in der wir aufgewachsen sind.

Lange Zeit waren mir die Gewohnheiten und Meinungen meiner neuen Bekannten recht suspekt, hatte ich doch all die Horrorerzählungen über Cannabis und andere (illegale) Drogen im Hinterkopf. Was mir freilich zu denken gab war die Tatsache, daß meine drogenerfahrenen Mitstudenten durch die Bank nicht in das Bild paßten, das ich mir vorher von Drogenkonsumenten gemacht hatte: Sie waren nicht kriminell und nicht arbeitsunwillig, nicht verwahrlost und auch keine willensschwachen kranken Wracks. Ganz im Gegenteil: Es handelte sich um intelligente, aktive und vielseitig interessierte Leute, die auch charakterlich vollkommen in Ordnung waren. (Ich weiß mittlerweile sehr gut, daß daran absolut nichts Erstaunliches oder Ungewöhnliches ist. Damit habe ich wohl mein Bewußtsein ein kleines Stück erweitert… :-) ).
Cannabis rauchen funktioniert bei mir nicht…

Der nächste Schritt war natürlich, daß ich auch mal probiert habe, wie das Zeug denn wirkt, allerdings erfolglos: Da ich Nichtraucher bin, konnte ich den Rauch eines Joints beim besten Willen nicht lange genug in der Lunge behalten, um eine Wirkung zu erzielen. Obwohl ich es mehrere Male versucht habe, hatte ich nie einen Effekt dabei.
… doch Cannabis auf Brot um so besser.

Darum habe ich mir eines Tages einen Brotaufstrich bereitet: Die Zutaten waren Butter und eine wohl nicht ganz geringe Menge Marihuana mit zwei recht harzigen Blüten. Als eine Stunde nach der “Einnahme” immer noch überhaupt nichts zu spüren war, dachte ich schon, ich sei immun gegen THC, als mir plötzlich unglaublich schwindlig zu werden begann; damit verbunden war ein ziemlich starkes Angstgefühl. Ich legte mich hin, schlug zur Ablenkung ein Buch auf, und die Angst verschwand allmählich. Allerdings konnte ich mich absolut nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren, ich verstand nicht einmal mehr den Sinn eines Satzes mit fünf Worten. Das Interessante dabei war, daß ich mir sehr gut vorstellen konnte, wie sich der gelesene Satz auf unterschiedliche Weisen betont anhören würde.

[Anmerkung von Psychonaut: Es ist ganz normal, dass die Wirkung eine Stunde auf sich warten lässt, wenn man das Cannabis über die Nahrung zu sich nimmt. Es ist auch normal, dass man keine Sprache mehr versteht.]

Ich will es kurz machen: Natürlich habe ich danach vertraute Gegenstände meines Zimmers mit völlig anderen Augen (sehr lange) betrachtet und natürlich habe ich auch Musik gehört und dabei (mit einem äußerst billigen Kopfhörer) eine Klangtiefe erlebt, die ich mir vorher nicht vorstellen konnte.

[Anmerkung von Psychonaut: Es ist ganz normal, dass man unter Cannabis die Musik völlig anders wahrnimmt. Die Qualität der Lautsprecher ist egal, denn die Musik findet im Kopf statt.]
Neue Erkenntnisse nach diesem Erlebnis

Nach diesem (ca. 4 Stunden andauernden) Erlebnis war ich vollkommen von der irrigen Meinung abgerückt, Cannabis sei eine gefährliche oder in sonstiger Weise negative Droge. Ich war danach weder süchtig noch arbeitsscheu (jedenfalls nicht mehr als vorher ;-) ), und zudem war die Wirkung sehr angenehm gewesen, wesentlich angenehmer und interessanter jedenfalls als ein Alkoholrausch. Auch einen Flashback habe ich danach nicht erlebt, wie es ja gewisse CSU-Politiker für die bösen Jungs ankündigen, die Cannabis konsumieren.

Ich finde es wirklich erstaunlich, daß in der Öffentlichkeit noch immer derart negative Vorurteile gegenüber Cannabis existieren. Woran liegt das eigentlich ? Daran, daß die Leute, die psychedelische Drogen konsumieren bzw. konsumiert haben, politisch mißliebig sind ? An der vorurteilsbehafteten “Drogenaufklärung” an den Schulen, wo man noch immer lernt, daß Cannabis eine “Einstiegsdroge” für harte Drogen wie Heroin sei ? (Das Lächerliche an dieser ganzen Diskussion ist ja gerade, daß man ohne mit der Wimper zu zucken sämtliche Drogen über einen Kamm schert. Das ist ungefähr so, als würde man Leberwurst mit Orangensaft vergleichen. Besonders lachhaft ist meiner Meinung nach die Formulierung “Alkohol und Drogen”.)
Einige grundsätzliche Fragen sind geblieben…

Ich frage mich, ob psychedelische Drogen wirklich zur “Persönlichkeitsentwicklung” geeignet sind.

Nun gut, ich muß zugeben, daß ich nicht mitreden kann (und vielleicht beeinträchtigen mich abermals meine Vorurteile), aber es irritiert mich immer etwas, wenn ich lese, daß jemand im LSD- oder Psilocybinrausch “Gott und die Welt” begriffen habe. Ich kann mir schon vorstellen, daß die betreffenden Leute tatsächlich GLAUBTEN, die Welt zu begreifen, so lange sie in diesem Zustand waren, aber ich bezweifle, daß es ihnen gelungen ist, diese “tieferen Einsichten” in den nüchternen Normalzustand hinüberzuretten.

Was diese Einsichten angeht, heißt es unter anderem immer wieder: “Es gibt viele unterschiedliche Wirklichkeiten”. Ist mit dieser Aussage einfach gemeint, daß beispielsweise ein Angehöriger eines anderen Kulturkreises eine andere Wirklichkeit der Welt sieht, als ich sie durch meine europäische Brille wahrnehme? Daß ein Insekt mit seinen Facettenaugen oder ein Hund mit seinem siebenhundertfach besseren Geruchssinn seine Umwelt vollkommen anders erlebt, als es ein Mensch tut?

Falls ich den Satz richtig interpretiert habe, muß festgestellt werden, daß ich auch vollkommen ohne LSD und Psilocybin zu dieser Einsicht gelangt bin; so weltbewegend kann sie also dann auch wieder nicht sein.

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Kategorie Cannabis - 3 Kommentare.

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  1. 1. Die Erste!!! schrieb:

    Ich weiß nicht, ob man sich jetzt freuen soll oder sich wünschen, dass du ein einschlagendes Erlebnis gehabt hättest. Fakt ist, dass diese “Vorurteile” nicht einfach aus der Luft gegriffen sind. Ich kenne selber Leute, die Drogen nehmen und sehr gut in der Schule sind. Das kann gut gehen oder halt auch nicht. Was denkst du, woher diese Vorurteile kommen?! Bestimmt nicht von einem, der sich an seinem Dealer rächen wollte und sich deshalb Grüchte über Cannabis ausgedacht hat. Es ist schön, dass es bei dir(hoffentlich immernoch)keine Schäden etc. angerichtet hat und ich aus deinem Bericht auch nicht entnehmen konnte, dass du sofort süchtig geworden bist, aber das geht eben nicht immer so gut! So viele Jugendliche zerstören sich ihr ganzes Leben nur durch Drogen. Dinge, die man vllt noch bereinigen hätte können, werden dadurch nur verschlimmert, mal ganz abgesehen davon, wieviele jedes Jahr daran sterben… Natürlich ist das meistens nicht vom ersten mal, aber wenn du schon so gute Erfahrungen gemacht hast, warum soll es da beim ersten Mal bleiben? Warum nicht regelmäßig? – Und jetzt wird es wirklich gefährlich! Die geringere Dosis reicht dir irgendwann nicht mehr aus, du brauchst ein stärkeres Mittel -wie wärs mal mit Spritzen?…
    Was ich damit sagen möchte ist, verlass dich nicht darauf, dass du immer so gute Erfahrungen machst und es sich nicht auf dein Studium/ Berufsleben/ Alttag auswirkt und, dass du so stark bist, nicht abhängig zu werden, denn du wirst mir wohl Recht geben, wenn ich sage, dass abhängig sein RICHTIG scheiße ist!

  2. 2. Hans Hanf schrieb:

    @ Die Erste: ich bin 37 Jahre alt und habe von meinem sechzehnten bis achtundzwangzigsten Lebensjahr Cannabis konsumiert – mal mehr, mal weniger. In meinen Mittzwanzigern hatte ich beruflich mit jemandem zu tun, der, damals 54 Jahre alt, laut eigener Aussage “schon seit über 30 Jahren” kifft. Und mit “beruflich zu tun” meine ich: der Typ war mein Chef. Der hat damals, obwohl er fast den ganzen Tag zugekifft war, innerhalb von 8 Jahren aus dem Nichts mit 20000€ Startkapital einen Vertrieb für Bürobedarf mit (zur Zeit meiner Beschäftigung dort) 178 Angestellten aufgebaut. Ich wusste lange nicht, dass er kifft. Nur als die Balkontür von seinem Büro kaputt war und sich nicht mehr öffnen ließ, musste er halt seine vermeintliche Zigarettenpause drinnen abhalten. Als ich ihm dann eines Tages ein paar Unterlagen auf den Schreibtisch legen wollte, hab ich halt den typischen Geruch bemerkt und ihn darauf angesprochen. Nachdem ich klar gemacht habe, dass ich auch “dazu gehöre”, hat er einen Joint gerollt, der fleißig zwischen uns pendelte – da kam er halt mit seiner Lebensgeschichte raus. Er sagte auch, dass er nicht ein einziges Mal daran dachte, härtere Drogen zu nehmen. Das Kiffen kam ihm nicht in die Quere: man müsse halt ein wenig Disziplin aufbringen und seinen Konsum drosseln, wenn nötig. Ihm fiel das anfangs zwar schwer, aber nach ein paar Wochen war es eben so normal wie das Zähneputzen, sich an den Riemen zu reißen und eben weniger oder mal gar nicht zu rauchen. Wenn man jetzt an bongrauchende, schuleschwänzende, kriminelle Teenager denkt, denen es an Disziplin mangelt (ist ja durchaus normal in der Pubertät), ist das eine ganz andere Liga. Was verboten ist, ist attraktiv. Wir brauchen richtige, WAHREHEITSGEMÄSSE Aufklärung an den Schulen und natürlich auch zu Hause durch die Eltern! Was meine mittlerweile vierzehnjährige Tochter von den Lehrern erzählt bekommt, ist absolute Unwahrheit. Einstiegsdroge? Spritzen? Faulheit? Kriminalität? Die einzige Straftat, die wegen Cannabiskonsum begangen wird, ist der Konsum selber – weil er es eben ist. Fakten interessieren nicht. Reißerische Schockversuche sind doch viel effektiver! Und so lange wie es anständige Bürger wie Die Erste gibt, die ein Moralverständnis und Anstand haben, ist die Welt doch in Ordnung!

    Alles kann süchtig machen, sogar Sport und Arbeit. Verboten ist beides trotzdem nicht.

  3. 3. Der O schrieb:

    Trotzdem muss ich an dieser Stelle mal anmerken, dass es beispielsweise zwischen Heroin- und Cannabis-Abhängigkeit einen riesen unterschied gibt, denn welcher Kiffer würde seine eigene Großmutter verkaufen um an Stoff zu kommen? (Ich gehe hier von “normalen” Drogenkonsumenten aus)
    Und auch bei Heroin-Abhängigen gibt es vernüftige Menschen, die ihr Leben trotzdem auf die Reihe kriegen, trotz erheblicher Schwierigkeiten. Und wiederum gibt es Kiffer die trotz der “harmlosen” Wirkung rein gar nichts gebacken kriegen.

    Es kommt immer auf die Person an, wie sie mit dem Konsum bzw. der Abhängigkeit klar kommt. Von dem Standpunkt her muss man sagen, dass man alle die, die Drogen nehmen wollen vorneweg bestens informieren muss bzw. sie sich informieren sollten über mögliche Gefahren.

    Meiner Meinung nach wäre ein ärztliches Gutachten von Vorteil, welches dem Konsument zeigt, welche Substanzen für ihn in Frage kämen…Aber bei unserer Drogenpolitik ist das noch Zukunftsmusik. Außerdem sollte die Selbestimmung des einzelnen nie durch ein Gesetz (BtmG) beschnitten werden.

    Denn es gibt seit Menschen gedenken berauschende Substanzen die genutz wurden und z. T. heute noch genutzt werden, also warum sollte man etwas verbieten, was früher als Heilmittel angeshen wurde und heute noch als solches Verwendung finden könnte?

    (So wie der Körper Nahrung braucht, braucht auch der Geist Nahrung…)

    Und wie Hans Hanf schon sagte, kann man von allem abhängig werden. Ob von Gewohnheiten wie trinken, rauchen und spielen, von Nahrungsmitteln (Schokolade, Coca Cola usw.) sowie von “illegalisierten” Substanzen wie Cokain und anderen Drogen.

    In diesem Sinne, lasst nichts zur Gewohnheit werden…
    Peace

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