Auswirkungen des Cannabiskonsums

Auswirkungen des CannabiskonsumsDer folgende Text ist eine Abschrift der Kurzzusammenfassung der “Expertise zu pharmakologischen und psychosozialen Konsequenzen” des Cannabiskonsums. Diese Expertise wurde im Auftrage des Bundesgesundheitsministeriums für Gesundheit im Jahre 1997 erstellt. Da zu dieser Zeit die CDU/FDP-Koalition die Bundesregierung stellte, ist eine unkritische Studie nicht zu erwarten.

Inhalt

Um so interessanter ist das Ergebnis der Expertise: Sie schlägt allen Gegnern der Cannabis-Legalisierung mitten ins Gesicht! Im folgenden Text wird weitestgehend zitiert…

“Cannabis ist nicht nur die am häufigsten konsumierte, sondern – was das Gefährdungspotential anbelangt – wohl auch die am kontroversesten diskutierte illegale Droge der letzten Jahrzehnte. Die vorliegende Expertise analysiert den internationalen Forschungsstand zu den Wirkungen des Cannabiskonsums unter pharmakologischen und psychosozialen Aspekten.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die pharmakologischen Wirkungen und psychosozialen Konsequenzen des Cannabiskonsums sich als weniger dramatisch und gefährlich erweisen, als dies überwiegend noch angenommen wird. Die akute Toxizität von Cannabis ist gering. Tödliche Überdosierungen sind bisher nicht bekannt geworden. Akute und körperliche Wirkungen sind Tachykardie [Erhöhung der Herzfrequenz] und eine leichte Blutdrucksteigerung, gefolgt von einer orthostatischen Hypertonie [Schwindelgefühle] beim Aufstehen. Diese Effekte zeigen eine Toleranzwirkung [nehmen ab].

1 Die Wirkungen von Cannabis

Niedrige Dosen rufen eine milde Sedation [Beruhigung] und Euphorie hervor. Personen im Cannabisrausche erfahren eine subjektiv gesteigerte Gefühlsintensität i verschiedenen Sinnesmodalitäten und ein verlangsamtes Zeitempfinden. Im Zusammenhang mit einer intensivierten Geschmackswahrnehmung kommt es häufig zu einem gesteigerten Appetit. Unter akutem Cannabiseinfluss ist die Konzentrationsfähigkeit herabgesetzt, ebenso zeigen sich reversible Leistungseinbußen im Bereich Gedächtnis und Reaktionsfähigkeit.

2 Körperliche Risiken

Vor allem der chronische Konsum der Droge ist dennoch nicht frei von Risiken. In bezug auf körperliche Risiken sind die Beeinträchtigung der Bronchialfunktionen und kanzerogenen Effekte des Rauchens von Cannabisprodukten in Kombination mit Tabak zu nennen. Hormonelle Beeinträchtigungen oder auch eine Beeinträchtigung der pränatalen Entwicklung sind nicht eindeutig belegt, dennoch sollte insbesondere in der Schwangerschaft auf einen Konsum von Cannabis (wie auch auf den Konsum anderer Drogen) verzichtet werden. Desgleichen ist bei jungen Jugendlichen entsprechende Vorsicht indiziert.

3 Psychische und soziale Konsequenzen

Für den Bereich psychischer und sozialer Konsequenzen muss vor allem auf die zumeist wohl reversiblen, aber doch Stunden anhaltenden kognitiven und psychomotorischen Beeinträchtigungen unter akuter Cannabiswirkung hingewiesen werden, die das Fahrvermögen und die allgemeine Leistungsfähigkeit einschränken. Aus diesem Grund sollte bis zu 24 Stunden nach Cannabiskonsum kein Kraftfahrzeug geführt werden.

Was die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf die psychische Gesundheit anbelangt, muss auf grund der vorliegenden Ergebnisse die allgemeine Annahme, dass der Konsum von Cannabis eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit nach sich zieht, zurückgewiesen werden. Zwar lässt sich zeigen, dass stärker problembehaftete Personen besonders häufig konsumieren, Belege für eine schädigende Substanzwirkung von Cannabis lassen sich hingegen nicht finden.

4 Abhängigkeitspotential

Bezüglich des Abhängigkeitspotentials der Droge Cannabis fassen wir zusammen: Der Konsum von Cannabis führt keineswegs zwangsläufig zu einer psychischen Abhängigkeit, es kann jedoch zu einer Abhängigkeitsentwicklung kommen. Eine solche Abhängigkeit vom Cannabistyp kann jedoch nicht primär aus den pharmakologischen Wirkungen der Droge, sondern vielmehr aus vorab bestehenden psychischen Stimmungen und Problemen erklärt werden. Die Abhängigkeit von Cannabis sollte als Symptom solcher Probleme gesehen werden. Deshalb ist psychosozial vorbelasteten Personen vom Cannabiskonsum abzuraten. Zudem ist unter Gesichtspunkten einer möglichen Abhängigkeitsentwicklung der polytoxikomanen Drogengebrauch und einer chronischer Dauerkonsum mit Risiken verbunden.

Ein wichtiges Argument in der Diskussion um Cannabis ist seine mögliche “Schrittmacherfunktion” für den Einstieg in den Konsum von illegalen Drogen bzw. den Umstieg auf härtere Substanzen. Diese These muss nach Analysen der vorliegenden Studien zurückgewiesen werden. Es lässt sich zwar ein Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Konsum weiterer Drogen nachweisen: Opiatabhängige Personen haben tatsächlich in der Regel zuvor Cannabis als erst illegale Drogen konsumiert (ebenso wie Cannabis konsumierende Personen in der Regel vorher legale Drogen wie Alkohol und Tabak konsumiert haben). Hieraus ist aber nicht abzuleiten, dass Cannabis zum Konsum härterer Drogen führt. Sicher auszuschließen ist die These, dass die Substanzwirkung selbst für ein späteres Umsteigen verantwortlich ist. Eher ist anzunehmen, dass das Image der Substanz bei den Konsumenten bzw. kulturelle Moden für die heutige Reihenfolge in der Drogeneinnahme verantwortlich sind. Möglicherweise fördert auch die nach wie vor vorhandene Illegalität eine gewisse Assoziation zu anderen illegalen Drogen; die Verbindung ist allerdings für die heutige Zeit aufgrund der zunehmenden “Normalisierung” bzw. “Veralltäglichung” des Cannabiskonsums (zumindest bei jungen Menschen) in Frage zu stellen.

5 Cannabis macht lustlos?

Die These, Cannabiskonsum führe mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu einem amotivalen Syndrom, kann nicht belegt werden. Studien, in denen relativ ausgelesene Schüler- und Studentenstichproben untersucht wurden, zeigen für den größten Teil der Konsumenten weder geringere Leistungsmotivation noch schlechtere akademische Leistungen als für Nichtkonsumenten. Die Studien, die die deutlichsten Hinweise für die Existenz eines durch Cannabis bedingten amotivationalen Syndroms zu erbringen scheinen, sind aufgrund methodischer Unzulänglichkeiten nicht in der Lage, konfudierende Effekte (z.B. eine depressive Symptomatik oder auch alternative Werte und Lebensstile sei Ende der 60er Jahre) von den Effekten des Cannabiskonsums zu trennen. In Studien, die den Einfluss solcher möglicherweise konfudierenden Effekte hingegen kontrolliert haben, erscheint der Cannabiskonsum nicht mehr als Risikofaktor für Demotivationserscheinungen.

Neben Aspekten der schulischen und beruflichen Leistungen und Integration wurden als weitere mögliche soziale Folgen auch Besonderheiten in bezug auf Partnerschaft und Familie untersucht. Der Cannabiskonsum erhöht nicht das Risiko einer frühzeitigen Schwangerschaft, kann aber eher mit einer verzögerten Übernahme von Erwachsenenrollen in Verbindung gebracht werden.

6 Cannabis in der medizinischen Therapie

Neben der Untersuchung möglicher schädlicher Cannabiswirkungen ist in den letzten Jahren ein verstärktes Bemühen zur Erforschung therapeutischer Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis bzw. seiner Inhallationsstoffe und deren synthetischern Abwandlungsprodukten festzustellen. Die antimetische Wirkung [Brechreize unterdrücken] von THC, Nabilone und Levonantradol ist gut belegt. Einige weitere synthetische Cannabinoide befinden sich in der Testphase. Cannabinoide werden in den USA bei der Therapie von Zytostatika-induzierten Erbrechen von Krebspatienten eingesetzt. Die appetitanregende Wirkung von Cannabinoiden ist sehr variabel und von zahlreichen Faktoren abhängig. Ein versuchsweiser Einsatz bei schlechtem Allgemeinzustand von AIDS- und Krebspatienten ist jedoch zu erwägen, wenn damit zumindest der körperliche Verfall abzubremsen ist. Der Einsatz von Cannabinoiden als Ersatz für Analgetika [Schmerzmittel] konnte sich in der Praxis nicht bewähren, da die Opioid-Analgetika den Cannabinoiden in der Nutzen-Risiko-Abwägung überlegen sind. Andere therapeutische Anwendungen z.B. als Glaukom- oder Asthmamittel, als Spasmolytikum oder Antiepileptikum sind bisher nur unzureichend erforscht. Mit der Entdeckung der Cannabinoid-Rezeptoren eröffnete sich ein weites Feld zukünftiger Forschung, um die Wirkungen und Wirkungsweisen von Cannabinoiden besser zu verstehen und therapeutische Ansätze zu finden.”

7 Quellen

“Auswirkungen des Cannabiskonsums” von Dieter Kleiber und Karl-Arthur Kovar, Seite 1 bis 4. Erschienen 1998 in der ‘Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft’. ISBN 3-8047-1555-9

Bild: © Henning Hraban Ramm / PIXELIO

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